Griechenland - Change-Management geht anders
Barrikaden, Streiks und empörte Demonstranten - die Griechen widersetzen sich wütend den Reformplänen. Doch Umfragen ergeben eine große Reformbereitschaft in der Bevölkerung. Das lässt nur einen Schluss zu: Hier werden gewaltige Management-Fehler gemacht. Wie soll ein Wechsel gelingen, wenn die Gesprächsbasis zerbricht?
Europa, der IWF und die Europäische Zentralbank sind als Troika in die Rolle der Change-Manager für die angeschlagene Volkswirtschaft geschlüpft. Sie fliegen ein, ziehen aus ihren Aktentaschen einen Forderungskatalog vor. Verweigert Athen die Unterschrift, fliegen die Herren wieder ab. Um nur Stunden später aus Brüssel ein neues Ultimatum zu senden. Arroganz paart sich mit Fantasielosigkeit.
Erfolgreiche Change-Manager wissen: Ein Turnaround gelingt ihnen nur, wenn sie die Mitarbeiter überzeugen. Entscheidend dafür ist es, eine Perspektive zu vermitteln. Doch was geschieht in Griechenland? Ausgaben runter, Arbeitsplätze streichen, Steuern erhöhen – das einzige Konzept ist Drehen an der Kostenschraube. Schlimmer noch: Die einzige Form der Kommunikation ist der Monolog. Niemand setzt auf Erfindungsreichtum und Engagement der Bürger. Dabei ist die griechische Volkswirtschaft so stark reguliert wie kaum eine andere in Europa.
Was können Unternehmen daraus lernen? Change-Management funktioniert nur im Team. Management, Controller und Kommunikationsexperten müssen sich zusammensetzen. Dann kommt es darauf an, einen Reform-Dialog zu lancieren. Ziel: die endogenen, die inneren Kräfte müssen freigesetzt werden. Denn ein Betrieb ist nur so stark wie die Motivation seiner Mitarbeiter.
